Glaubenssätze, Affirmationen, Autosuggestionen - Teil 2
- Susanne Bhangu

- 4. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Tagen

Wie oft wirken diese Vorgänge wirklich in dir?
Wenn du beginnst, dich mit Glaubenssätzen, Affirmationen und Autosuggestion zu beschäftigen, kommt schnell diese Frage auf. Wie oft passiert das eigentlich am Tag? Einmal beim Zähneputzen oder tausendmal, ohne dass ich es merke?
Die ehrliche Antwort ist, es passiert es so häufig, dass dein Bewusstsein nur die bekannte Spitze, des Eisberges sieht.
Wie viele Gedanken haben wir pro Tag
Eine oft zitierte Zahl lautet 60.000 Gedanken pro Tag. Diese Zahl klingt gut, ist aber wissenschaftlich nicht sauber abgesichert. (Ich habe ausführlich recherchiert).
Was es gibt, ist ein interessanter Ansatz aus der Hirnforschung. In einer Studie wurden Übergänge zwischen Gedanken über Muster im Gehirn geschätzt. Daraus ergab sich eine Größenordnung von mehr als 6.000 Gedankeneinheiten pro Tag. Wichtig ist dabei, dass es um Übergänge geht, nicht um Inhalte. Es sagt dir also nichts darüber, ob die Gedanken sinnvoll, wahr oder hilfreich sind. Es zeigt dir nur, wie aktiv das System ist.
Für deinen Alltag reicht diese eine Konsequenz. Dein Geist produziert laufend Material. Das ist keine Störung. Das ist der normale Betrieb.
Wie oft sind wir überhaupt präsent ?
Eine der bekanntesten Zahlen dazu kommt aus einer großen Studie zum Abschweifen des Geistes zeigt, dass Menschen demnach fast die Hälfte der Zeit gedanklich woanders als im Hier und Jetzt sind. Die Zahl liegt bei ungefähr 47 Prozent und zeigt das Grundmuster des menschlichen Gehirns.
Wie viel von unserem Verhalten läuft automatisch
Hier wird es wirklich spannend, weil es Selbstvorwürfe leiser macht.
In einer klassischen Untersuchung zu Alltagsgewohnheiten wurde geschätzt, dass mindestens rund 40 Prozent unserer täglichen Handlungen Gewohnheiten sind. Gewohnheiten laufen leichter, schneller und oft ohne viel bewusste Steuerung, vor allem in stabilen Kontexten.
Das bedeutet nicht, dass du keinen freien Willen hast. Es bedeutet, dass freier Wille eher wie ein Fenster ist, das du öffnen kannst, als ein Dauerzustand.
Genau da sitzen die mächtigen Glaubenssätze. Sie sind wie die stillen Regeln, nach denen Deine Gewohnheiten ablaufen.
Wie viele Gedanken sind falsch oder haben mit Realität wenig zu tun
Für die Gesamtbevölkerung gibt es dazu keine seriöse Prozentzahl, die ich dir sauber hinstellen könnte. Alles, was hier zu glatt klingt, ist meistens eher Mythos als Wissenschaft.
Was man aber gut zeigen kann ist, ein verwandtes Phänomen, nämlich wie oft sich unsere Vorhersagen als falsch erweisen.
In einer Studie mit Menschen mit generalisierter Angststörung wurden Sorgen protokolliert und später überprüft, ob sie tatsächlich eingetreten sind. Im Schnitt trafen rund 91,4 Prozent der Sorgen nicht ein.
Das gilt nicht eins zu eins für jede Leserin. Es zeigt aber etwas Grundsätzliches auf.
Ein erwähnenswerter Großteil deiner Gedanken ist kein Bericht über die Wirklichkeit. Er ist ein Sicherheitsprogramm.
Wenn dein Körper Stress fährt, schreibt der Kopf Geschichten, die sich nach Wahrheit anfühlen, weil sie Schutz versprechen.
Wie oft sind wir Autosuggestion ausgesetzt
Auch hier gibt es viele Zahlen, wenig harte Messung. Sicher ist, dass wir täglich mit sehr vielen Botschaften konfrontiert werden, die Gefühle, Wünsche und Mangel erzeugen sollen.
Marketing Quellen schätzen häufig eine Spanne von etwa 4.000 bis 10.000 Werbekontakten pro Tag. Diese Größenordnung wird oft genannt, gleichzeitig ist die exakte Zahl schwer zu belegen, weil niemand sauber zählen kann, was ein Werbekontakt überhaupt genau ist.
Ich fasse es so zusammen, dass Du in einem Feld von Suggestionen lebst. Das Meiste davon wirkt, auch wenn du denkst, du wärst immun.
Was soll das alles jetzt ?
Wenn du die Häufigkeit einmal gesehen hast, verändert sich etwas automatisch in Dir. Der Selbstwert wird weniger psychologisch..
Du bist dann nicht die Frau, die sich zusammenreißen muss. Du bist ein System, das sehr oft automatisch läuft.
Viele Menschen kämpfen gegen ihr Innenleben, als wäre es ein absichliche Störung. Dabei sid es lediglich Wiederholungen, Gewohnheiten, Schutz und daher Biologie.
Hier wird auch klar, warum Affirmationen oft verpuffen.
Sie müssen gegen sehr viele Wiederholungen ansprechen. Gegen Jahrzehnte.
Der feine Abschluss, den ich dir anbieten will
Wenn ein Glaubenssatz oft genug gedacht wird, wirkt er wie eine Tatsache !!!
Wenn du ihn selten genug unterbrichst, bleibt er wie ein Gesetz !!!
Die neue Freiheit beginnt an einer unspektakulären Stelle.
Bei der Häufigkeit.
Du brauchst dafür keine spektakuläre Methode.
Du brauchst eine Entscheidung, die du oft genug wiederholst, bis dein System sie erkennt.
Folgendes läuft dadurch in Deinem Gehirn ab:
Wenn du eine Entscheidung wiederholst, passiert etwas sehr Konkretes.
Dein Nervensystem lernt über Wiederholung. Jedes Mal, wenn du ein altes Muster kurz unterbrichst und dich zusätzlich für eine neue Reaktion entscheidest, wird eine andere Verbindung im Gehirn aktiviert.
Neuronen, die gemeinsam feuern, verbinden sich leichter. Das ist ein Grundprinzip von Lernen. Am Anfang ist die neue Spur schwach und kostet mehr Energie. Die alte Spur ist wie ein Trampelpfad, den du jahrelang gegangen bist. Er ist breit, schnell und automatisch. Die neue Spur ist am Anfang nur ein schmaler Weg durchs Gras.
Wiederholung macht aus diesem schmalen Weg eine Route. Das Gehirn baut dabei nicht nur neue Verknüpfungen auf, es stärkt auch die Auswahlmechanismen.
Eine Unterbrechung ist deshalb mehr als ein guter Vorsatz. Sie ist ein kleiner Trainingsreiz für dein System.
Es gibt noch einen zweiten Effekt, den viele unterschätzen. Wenn du in einem Moment, der früher automatisch war, bewusst anders reagierst, bekommt dein Gehirn ein neues Signal, nämlich Sicherheit statt Alarm. Wahl statt Reflex.
Das verändert langfristig, welche Zustände du als normal empfindest. Genau so entsteht eine neue Gewohnheit. Nicht in einem magischen Moment, sondern durch viele kleine Wiederholungen, bis dein System sagt, das kenne ich jetzt und der Vorgang irgendwann automatisch abläuft.
Hinweis
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Abklärung und keine Psychotherapie. Wenn du starke depressive Symptome hast, anhaltende Angst, Panik, körperliche Warnzeichen oder ein Suchtverhalten bemerkst, hol dir bitte passende medizinische und therapeutische Unterstützung. Eigenverantwortung heißt auch, Hilfe rechtzeitig anzunehmen.





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