meditation wozu ?
- Susanne Bhangu

- vor 3 Tagen
- 5 Min. Lesezeit

Ein Versuch, das Unbeschreibliche zu beschreiben.
Einleitung
2020 bin ich zum ersten Mal über Joe Dispenza gestolpert. Ich kaufte mir sein Buch
„Ein neues ICH“ – und war schneller drin, als ich erwartet hätte. Mir gefiel seine Art, Inneres Erleben so zu erklären, dass der Kopf nicht sofort den Richter spielt.
Mein kritischer Verstand bekam endlich eine Aufgabe und meine Intuition musste nicht mehr heimlich durch den Hinterausgang flüchten. Im besten Fall beflügeln sich die beiden sogar, weniger innerer Kleinkrieg, mehr Neugierde auf das, was gerade passiert.
Ich las also das Buch, machte hier und da eine Meditation und blieb dabei. Auch, weil mir die Stimme der deutschen Version sympathisch war.
Ich verstand bald, worum es bei dieser Art Meditation geht:
Aufmerksamkeit ändern, den Dauerbetrieb im Kopf runterfahren und den Körper in einen anderen Zustand bringen.
Kurzform: weniger Beta, weniger Stresschemie, mehr Ruhe im System und damit andere Möglichkeiten.
Das klang angenehm praktisch. Fast wie eine Bedienungsanleitung fürs Innenleben.
Und noch etwas gefiel mir: Seine Erklärungen wirken weniger moralisch („Reiß dich zusammen“) und mehr biologisch („Du bist gerade im Alarmmodus“). Das nahm den Druck raus. Und Druck ist selten ein guter Begleiter, wenn man sich verändern will.
Inseln in einer verstörenden Zeit
In dieser Phase, wo alles verboten war, nahm ich mir alle paar Wochen eine Auszeit. Ich gönnte mir schöne Appartements in Dürnstein, über ein ganzes Jahr hinweg.
Diese Wochenenden waren meine Inseln in einer Zeit, die… sagen wir,
für viele von uns anspruchsvoll war.
Tür zu, Welt aus. Nur ich, Natur, eine stilvolle Umgebung und meine Meditationen. Ich wollte mich fallen lassen, ohne mich dabei gleich zu optimieren und ich wollte wissen, was passiert, wenn ich mein System nicht ständig antreibe?
Die Atmung: überraschend wirksam – und dann unverschämt unzuverlässig
2021, gegen Herbst, begann ich mit einer Atemtechnik, die empfohlen wurde. Ich saß wieder in einem Appartement, war offen, ohne große Erwartungen, setzte die Kopfhörer auf und folgte der Anleitung.
Boom !
Ich kann bis heute nicht sauber erklären, was da genau geschah.
Schon beim ersten Atemzug kam ein intensives Kribbeln, ein Beben, dazu eine Welle von Erleichterung und Dankbarkeit, ohne konkreten Anlass. Tränen liefen, nicht aus einem inneren Drama heraus, sondern aus einer Mischung aus Berührung, Glück und etwas, das sich größer anfühlte als mein Alltag.
Es ging so schnell, dass mein Verstand nicht einmal Zeit hatte, sich wichtig zu machen.
Ich war völlig geflasht. Und natürlich machte ich das, was Menschen dann gern machen, ich wiederholte es sofort. Und wieder. Und wieder. Der Zustand kam zuverlässig. Ich fühlte mich satt, geborgen, frei. Beinahe so, als hätte mein Körper kurz gezeigt, wie „ohne inneren Widerstand“ geht.
Ich praktizierte an diesem Wochenende fast nur diese Übung und meditierte viel. Selbst im Zug nach Hause setzte ich die Kopfhörer auf und atmete. Es kam immer wieder dieser Zustand, Wellen, Glück und diese Sicherheit im Körper.
Zu Hause angekommen, stellte ich den Koffer beim Eingang ab, ging in mein Zimmer, setzte die Kopfhörer auf, atmete …
Nichts. Gar nichts !
Ich war maximal verwirrt und auch ein bisschen beleidigt.
Es folgten Erwartungen, Kontrolle und ein vehementes „Ich will das können.“
Ich meldete mich in Foren an und schilderte meine Erfahrung. Die Antworten waren erstaunlich ähnlich, nämlich: Keine Erwartungen haben, nichts erzwingen wollen, spielerischer werden, Kontrolle lockern.
Klingt logisch. Ist aber schwer, wenn man schon weiß, wie es sich anfühlen kann. Denn ab dem Moment sitzt die Erwartung wie ein stiller Gast mit am Tisch und dieser Gast ist selten leise.
Also entschloss ich mich, tiefer zu gehen. Wenn mein System so reagieren kann, dann will ich verstehen, was es braucht, um wieder dorthin zu finden, so mein neugieriger Ansatz.
Meditation als Selbstregulation
Ich vertiefte die Praxis. Monatelang morgens ca. 1,5 Stunden, abends oft über zwei Stunden. Mit der Zeit spürte ich häufiger eine Art Schwerelosigkeit, nicht im Sinne von „abheben“, sondern im Sinne eines inneren Wegtriftens.
Je weniger ich gegen Gedanken kämpfte, desto leichter wurde es. Je weniger ich „etwas“ wollte, desto eher passierte … etwas.
Es wurde ruhig in mir. Ich wurde gelassener und auch körperlich ging es mir sehr gut. Heute würde ich sagen: Diese Meditationen waren für mich ein Weg der Selbstregulation. Eine Stärkung meiner Resilienz und Regenerationsfähigkeit.
Wenn der Körper „ja“ sagt
Eines Morgens nahm ich mir 1,5 Stunden Zeit und machte eine Meditation namens
„The Alchemist“. Nach der Atmung gab ich mich der Musik hin. Mein Geist war da, aber im Hintergrund. Das bekannte Wegtriften passierte und Wellen durchstömten meinen Körper von unten nach oben.
Plötzlich stellte sich am ganzen Körper Gänsehaut auf. Nicht punktuell, sondern ebenfalls in Wellen. Dann kam dieses Kribbeln und Beben wieder, aber viel intensiver als beim ersten Mal im Appartement.
Der Satz, der mir danach immer wieder kam, war: „Es hat mich genommen.“
Es war sanft und gleichzeitig überwältigend und so seltsam es klingt, ich war weg und präsent. Staunend, irgendwie … einverstanden mit all dem.
Diese Zustände kamen immer wieder. Sie waren unmittelbar. Auflösung von Enge, tiefe Weite, Wellen im Körper, Präsenz. Fast so, als würde ein Strudel im Wasser entstehen und der Strudel war ich und das Wasser, das, was mich nahm.
Grenzen lösen sich – und der Kopf findet keine Schublade
Später, in einer anderen Meditation, passierte etwas, das kaum zu beschreiben ist.
Das Gefühl von „Ich“ als klare Grenze wurde weich. Für kurze Zeit war da dieses Erleben von Verbundenheit, als hätte jemand das Selbstkonzept kurz auf „Pause“ gestellt.
Damals hätte ich gesagt: „Ich wusste alles.“Heute sage ich: Es fühlte sich so an, als wäre jede Frage gleichzeitig beantwortet. Weder logisch, noch verbal, eher als Informationspool ohne Ränder. Die Linearität völlig aufgehoben, alles im einzigen Moment des Jetzt mit der Erkenntnis sämtlicher Ebenen. Zeit, Raum, Körper, alles war zwar noch da, aber nicht mehr als Zentrum sondern als Komponenten des einen Momentes. Da war eine Liebe, die mich absorbierte, wie ich sie zwischenmenschlich noch nie erfahren habe und sie war überwältigend und trösetend zugleich. Tränen, so viele Tränen des Glücks und der Vollkommenheit dieser erlebten Qualität.
Und dann – wie schon bei der Atmung – verschwand es wieder. Ich meditierte weiter, aber das Beben, die Wellen, dieses „genommen werden“, waren weg.
Wieder war ich verwirrt und wieder ein bisschen gekränkt. Als hätte ich einen unglaublich intensiven Film gesehen und dann wäre der Bildschirm schwarz geworden, ohne Abspann.
Ein Teil von mir nahm das persönlich und viele andere Teile wussten, dass mir etwas zu Teil wurde, was nicht jedem vergönnt ist. Demut.
Was blieb, war etwas Wertvolles, nämlich ein Maximum an Selbstakzeptanz und eine weichere Haltung gegenüber anderen. Die letzten Bewertungen, die früher wie in Stein gemeißelt wirkten, wurden porös.
Dankbarkeit ist ein Gefühl, das ich seither beinahe permanent spüre.
Nachtrag: 31.01.2026
Ich meditiere wieder mehrmals die Woche, inklusive der Atmung und das Beben ist wieder da. Intensiv. In Wellen. Ich kann eine Zeit lang darin verweilen.
Ein Verdacht drängt sich auf: Vielleicht ist es nicht „das Außen“, das kommt oder geht – sondern mein "aus dem Weg gehen". Oder genauer gesagt, mein Grad an Loslassen.
Spontan fällt mir das Wort Hingabe ein, aber nicht als romantisches Konzept, sondern ganz praktisch, indem ich die Kontrolle lockere und dem Körper erlaube zu machen, was er ohnehin kann.
Der Geist produziert dabei weiter Bilder und Worte. Ich ignoriere sie nicht, ich halte sie aber auch nicht fest. Es ist, als würde der Blick „hinter“ die Augen rutschen – nicht aktiv, eher als Resultat eines Absinkens. Was da absinkt, kann ich nicht exakt sagen.
Es fühlt sich an, wie aus dem Weg gehen, damit etwas in mir Platz hat.
Frag mich nicht nach einer perfekten Erklärung. Ich übe immer noch, das Unbeschreibliche zu beschreiben. Nur inzwischen mit weniger Drama im Satzbau und mehr Respekt vor dem, was mein Körper offenbar weiß, lange bevor mein Kopf es versteht.





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